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Geschichtliche Entwicklung der Migration 

Arabische Migration in Deutschland

Wir erleben immer wieder neue Debatten und Diskussionen über die Migration in Deutschland. Das  am 30.Junli 2004 verabschiedete  und zum 1.Januar 2005 in Kraft tretende  Zuwanderungsgesetz ersetz das bis dahin geltendes Ausländergesetz. Viel hat sich darin im Kern nichts geändert. Doch die Anerkenntnis, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, eröffnet neue Grundlagen für die ernsthaften Debatten und Diskussionen über die Integration der in Deutschland lebenden  Menschen mit Migrationshintergrund 
- nach 45  Jahren  Arbeitsmigration! Diskutieren Sie mit, liebe Leser und Leserin, es lohn sich! 

Der bezeichnende Anfang der Migration war die Arbeitsmigration aus Anwerbeländern nach Deutschland. Dieser beruhte auf den ökonomischen Motiven  und Anwerbeabkommen mit Italien (1955), Griechenland und Spanien (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968). Der Aufenthalt war von beiden Seiten als vorübergehend geplant. Als Gründe für den „Arbeitskräftemangel sind die ungünstigen Altersstrukturen der deutschen Erwerbsbevölkerung, der Aufbau der Bundeswehr, das Versiegen des Zustroms von Arbeitnehmern nach dem Mauerbau aus der DDR und die längere Schulausbildung zu nennen.“ Um die Arbeitskraftmangel schnell zu beheben, spielten die nicht  vorhandene Bildung und Ausbildung bei den Angeworbenen für die deutsche Wirtschaft damals keine Rolle. Denn sie wurden für jene Arbeitstätigkeit gebraucht, für die keine Vorkenntnisse notwendig waren. Sie wurden in Textil-, Stahl-, Bau-, Chemie- und vor allem in der Bergbauindustrie eingesetzt. Dabei war ein Rotationsprinzip vorgesehen, nach dem die so genannten „Gastarbeiter“ nach ein bis zwei Jahren ausgetauscht werden sollten, um Dauerbeschäftigung und Einwanderung zu verhindern. Die Arbeitgeber haben jedoch im Nachhinein eingesehen, dass es nicht im Interesse der Produktivität ist, sich von den eingearbeiteten  Arbeiter/innen  zu trennen. So haben sie  abgelehnt, immer wieder neue ungelernte Menschen aus dem Ausland zu holen und sie einzuarbeiten.  Die Unternehmerinteressen gaben schlussendlich den Ausschlag: Die Beschränkung des Aufenthalts auf höchstens zwei Jahre wurde  ersatzlos aufgehoben. Trotz des rückwirkend erlaubten längeren Aufenthalts beabsichtigten diese Migrantengruppen damals, nur etwa 5 bis 10 Jahren  in Deutschland zu arbeiten und in die Heimat zurückzukehren, um dort mit dem gesparten Geld eine Existenz aufzubauen. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland erlitt 1967 einen Rückschlag.

Die Senkung der Erdölmengen für den Export durch die erdölexportierenden Länder (OPEC) und die Anhebung der Erdölpreise 1973 verschärften die  Wirtschaftskrise, die zur Zunahme der Arbeitslosigkeit führte. Die Bundesregierung reagierte 1973 unter anderem mit einem Anwerbestopp für ausländische Arbeitnehmer und dann später mit der Abschaffung der Zahlung des Kindergeldes an ausländische Arbeitnehmer, deren Kinder im Ausland lebten. Darüber hinaus sollten die „Gastarbeiter“, die auf Grund der Rezession und der damit zusammenhängenden konjunkturellen Flaute nicht mehr benötigt wurden, mit Rückkehrförderungen dazu bewegt werden in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Das aber unter Verlust ihrer eingezahlten Sozialversicherungsprämien. Viele haben die Rückkehrförderungen angenommen und sind  zurückgekehrt. Die hier geblieben sind, holten mit dem Konjunkturanstieg ab 1975 ihre Familienangehörigen im Rahmen der Familienzusammenführung nach. So fand die Zuwanderung auch nach Anwerbestop statt. Der Daueraufenthalt  der ausländischen Bevölkerung in Deutschland verfestigt sich weiter. Diese Entwicklung führte zu Schwierigkeiten bei der Wohnungsversorgung, in den Schulen, in der gesundheitlichen Versorgung und in den Kindergärten. Im November 1978 stellte die Bundesregierung nach langer Diskussion fest, dass die Ausländer besser integriert werden müssen und berief infolge dessen einen „Beauftragten zur Förderung der Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen". Doch 1980 - 1982 kam es wieder zu einer Wirtschaftsflaute.
   

Unter dem Aspekt der deutschen Volkswirtschaft und des Europa-Mittelmeer-Assoziierungsabkommens, 
das die Schaffung einer Freihandelszone zwischen der EU und den arabischen Ländern des Mittelmeers beinhaltet und  im Jahr 2010 voll in Kraft treten wird, stellt dieser arabische Teil der deutschen Bevölkerung eine beträchtliche Brücke der Völkerverständigung und des Handels zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den arabischen Ländern dar. Er könnte unter Vermittlung und Förderung der innovationsdenkenden Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung des gemeinsamen Wohlstands im Euro-Mittelmeerraum leisten. Die Vision des Europa-Mittelmeerabkommens beinhaltet drei Säulen, nämlich folgende:

-   "Schaffung eines Raumes des Friedens und der Stabilität, gestützt auf die fundamentalen Grundsätze    der Achtung der Menschenrechte und der Demokratie",  
- "Schaffung eines Raumes gemeinsamen Wohlstands durch die schrittweise Errichtung einer Freihandelszone zwischen der EU und den Mittelmeerpartnern sowie zwischen diesen Partnern selbst",
-  "Entwicklung der Humanressourcen, die Förderung des gegenseitigen Verständnisses der Völker in der Europa-Mittelmeer-Region und den Aufbau freier und aktiver Zivilgesellschaften".


Im Bezug auf die Einwohner gleicht die Zahl der arabischstämmigen Menschen in Deutschland einer der großen Städte Deutschlands. Ihre Präsenz, Präsentation und Partizipation am gesamtdeutschen Gesellschaftsleben gleicht  jedoch  in vielen Aspekten vielleicht gerade jenem eines Dorfs. Einer dieser Aspekte ist die nichtvorhanden spezifische  Kommunikationsplattform, die intermediäre Vermittlungsinstanz, etwa wie Zeitung, die für sie zum einen als Spiegel, anders ausgedrückt als ein Gesicht  für ihre soziale Gestalt und Gestaltbarkeit in Deutschland, und zum anderen als Begleitung des Integrationsprozesses 
- für Entwicklung der Übergangsform für die Annahme der Herausforderung zur Angleichung an die gesellschaftlichen Anforderungen fungieren kann. 
Die Schaffung der dafür entscheidenden Faktoren sind bisher seitens der Entscheidungsträger der Sozialpolitik ausgeblieben. Inwieweit die Träger der Sozialpolitik und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Integrationsprozessen und Informationsbedürfnissen dieses Bevölkerungssegment Rechnung tragen will, zumindest in der   Übergangsphase durch muttersprachliche und andere  Integrationsprogramme, wird sich noch in Zukunft zeigen.

Die Immigration der Marokkaner und Tunesier nach Deutschland entwickelte sich im Rahmen des Anwerbeabkommen von 1963 mit Marokko und 1965 mit Tunesien. Wie alle anderen angeworbenen, ungelernten „Gastarbeiter“ standen und stehen die Marokkaner in punkto Integrationsschwierigkeiten 
und im Verhältnis zu anderen Arbeitnehmern aus anderen Anwerbländern noch an erster Stelle, gefolgt von den Tunesiern. Marokkaner waren und sind deshalb noch am meisten betroffen, weil sie nicht nur ungelernt waren, sondern auch zu 70-80 Prozent aus ländlichen Gebieten stammen und nicht alphabetisiert waren.      

Die anderen signifikanten Ein- und Zuwanderungen aus anderen arabischen Ländern fanden  überwiegend über Asylsuche oder Studiumsaufnahme statt - insbesondere in den 80er und 90er Jahren. So fanden die meisten  Libanesen, Palästinenser, Iraker, Syrier, Ägypter und Algerier als  Flüchtlinge und Asylsuchende, aber auch als Studenten  Aufnahme in Deutschland. Die ersten Palästinenser kamen schon in den 50er Jahren nach Deutschland. Der mitgebrachte Bildungsgrad dieser Migrantengruppen ist sehr bedeutsam und sehr verschieden von dem der Marokkaner und Tunesier. Der hohen Bildungsgrad ist vor allem unter Irakern, Syrern, Ägyptern und Palästinensern zu finden. Mehrere 10.000 von ihnen sind  als  Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure, Kaufleute, Künstler,  Schriftsteller, Journalisten  sowie Dolmetscher selbständig tätig.

Bemerkenswert  ist der seit Anfang der 90er Jahre gestiegene Bildungsstand des in Deutschland lebenden marokkanischen Bevölkerungsanteils: Ende 2000 ist die Zahl ihrer Studenten auf über 6.500 gestiegen (ohne jene mit deutschem Pass) und bildet damit  prozentuell den größten Teil der ausländischen Studenten in Deutschland im Verhältnis zu den jeweiligen Bevölkerungsteilen der Migranten in Deutschland. Die Zahl der türkischen Studenten lag zwar bei 24.000, im Verhältnis zu ca. 2.200.000 in Deutschland lebenden Türken mit türkischem Pass ist sie jedoch geringer als jene der Marokkaner.                                                  

Diese positive, integrative Bildungstendenz wird jedoch überschattet von Problemen der  Integration der zweiten und dritten Generation im schulischen, beruflichen und kulturellen System der Bundesrepublik. Der Statistik des Bundesamtes ist zu entnehmen, dass die Zahl jener marokkanischen Häftlinge, die in Deutschland aufgewachsen oder geboren sind, im prozentualen Verhältnis zu anderen jugendlichen Häftlingen aus anderen Bevölkerungsgruppen sehr hoch ist. Diese stark voneinander  polarisierenden Tendenzen, nämlich die positive Orientierung jener, die in Marokko die Schule besucht haben und nach Deutschland im Zuge der Studiumsaufnahme oder der Familienzusammenführung gekommen sind, und die Desorientierung jener, die hier aufgewachsen oder geboren sind, erfordern eine intensivere Betrachtung unter dem Aspekt der Integrationsfaktoren. Dabei ist es sehr wichtig, ein Bewusstsein  bei den betroffenen Menschen zur Selbstbetrachtung  zu erzeugen. Dies kann aber nur geschehen, wenn die Betroffenen einen Spiegel und eine geeignete Kommunikationsplattform haben, wo sie sich wiederfinden können. Deshalb hat sich die Marokkanisch-Deutsche Assoziation für Beratung und Gemeinwesen e.V. (Marokkanisch-Deutsche ABG) für die Berücksichtigung der Marokkaner und anderer Araber in Deutschland bei Ausstrahlung der sogenannten Ausländerprogramme eingesetzt. Darüber hinaus setzt sie sich für die Einrichtung von speziellen Fernsehprogrammen für Migrantengruppen, welche die deutsche Sprache nicht so gut verstehen.

Ahmed El Kourai

 

 

       


 

 

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