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Organisationen   mahnen zur Einsicht, die Grundsteine  für die Integration  zu legen – Medien hören und schauen aber hin, wo die Steine fliegen!

Der Bundesverband Deutsch-Arabischer Vereine (BDAV) hat  am 6. April 2006 die Petition an den Deutschen Bundestag  zur Erweiterung des kommunalen Wahlrechts auf nicht Unionsbürger/innen in Deutschland öffentlich bekannt gegeben  und diese in Originalschrift persönlich  dem Petitionsausschuss  übergeben. So haben 5  Mitglieder  des Petitionsausschusses unter der Leitung von Kersten Naumann ( Vorsitzende des Petitionsausschusses) die Petition von der 5-köpfigen Delegation der BDAV in einem herzlichen Empfang entgegengenommen. Frau Naumann sagte, sie habe  die  bereits  am 13. Februar 2006 eingereichten Kopien der Petition gelesen und würdigte die Bemühung von BDAV als verdienstvolle  Initiative. Die Delegation des Bundesverbandes, bestehend aus Dipl. –Ing. Nashaat Elfar, Dr. med. Ali Chaaban, George Raschmawi, Mohamed Bounouar und Ahmed El kourai, bedankten sich herzlich bei den Mitgliedern des Petitionsausschusses für den freundlichen Empfang. 

Am Vormittag des gleichen Tags hielt der BDAV eine Pressekonferenz zur Bekanntgabe der diesbezüglichen Petition und dessen Integrationsziele ab. Nach der Eröffnung und  Begrüßung der anwesenden Gäste und Journalisten durch den Vorsitzenden des BDAV, Dipl. –Ing. Nashaat Elfar, bedankte sich Ahmed El kourai, Koordinator des  BDAV und Initialzünder der Petition,  bei den Journalisten und Gästen mit Nachdruck  für Ihre Anwesenheit und sagte als Vorspann zur Diskussion:

„Das  Jahr 2006 ist voll von  guten Ereignissen in Deutschland.  Es hat begonnen mit der ersten Bundeskanzlerin in der Geschichte Deutschlands.  Es hat begonnen mit einer zweiten großen  Koalition nach 36 Jahren, welche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eine Koalition der  Neuen Möglichkeiten nannte.  Das hat  uns ermutigt zur Initiierung  der Petition an den Bundestag zur Erweiterung des Kommunalen Wahlrechts auf nicht EU-Bürger/innen. Wir sind der Auffassung, dass die Vision der  Koalition der neuen Möglichkeiten auch den Korb für die Einführung  des diesbezüglichen  Wahlrechts umfassen kann / darf / soll und muss. Darüber hinaus  wäre dies die Krönung des Paradigmenwechsels, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Zudem  wäre dies ein Pluspunk für Deutschland bei der Bewerbung um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
.

Zu diesem Schritt   mahnen wir; darum bitten wir; darauf hoffen wir; daran wollen wir  die Ideen  für eine solide Sozialisation aller in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund anknüpfen. Und daraus wollen wir mehr  Vertrauen und Glauben aneinander  schöpfen und gedeihen lasen. Übrigens haben sich bereits 208 Universitäts- und Hochschulprofessorinnen und  Professoren der Bereiche  Politik-, Sozial-, Erziehungs-, Rechts-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften der diesbezüglichen Petition  angeschlossen. Auch dies ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte Deutschlands und der ganzen Welt, dass so viele hochrangige Wissenschaftler/innen sich für die Integration und politische Partizipation  durch kommunales Wahlrecht für alle einsetzen. 

Mir kamen die tränen vor Freunde, als ich die Liste der unterzeichenden Wissenschaftler/innen  gezählt habe und sagte: das Land der Denker und Philosophen lebt, meine Hoffnung  auch.  Mitunterzeichnet  ist diese Petition auch bereits von 41 Vereinen und Verbänden darunter DGB, Verdi. , IG-Metall und Jungsozialisten in der SPD. Das ist auch ein   beindrückendes Ereignis.

Auch die EKD hat bereits 1997 dazu gemahnt, den Migranten/innen mehr Teilhabe an  der  politischen Verantwortung zu ermöglichen. Darin heißt es im Gemeinsamen Wort der
Kirchen zu den Herausforderungen durch Migration und Flucht: „Nach der Einführung des Kommunalwahlrechts für Unionsbürger bedarf es einer erneuten sorgfältigen Prüfung, auf welche Weise die Teilhabe der Nichtdeutschen an der politischen Verantwortung für das Gemeinwesen gefördert und gestärkt werden kann.“

Übrigens sind es nun auch 13 Jahre, seitdem das Kommunale Wahlrecht für nicht EU-Bürger in Deutschland praktisiert wird. Erfahrung muss also  die Mehrheitsgesellschaft  mit Nichtdeutschen reichlich gesammelt haben, auch mit 50 Jahren Migrationsgechichte  in Deutschland. Und wenn wir immer unsicher sind, brauchen wir nur zu 9 Nachbarländern hinschauen, wo das kommunale Wahlrecht teilweise seit 30-40 Jahren, teilweise seit 15-20 Jahren für alle dort lebenden Menschen gibt. In Großbritannien  dürfen sogar Menschen aus ehemaligen Kolonien Großbritanniens auch ohne britische Staatsbürgerschaft  sogar an Nationalwahlen  teilnehmen. 
Übrigens  sind es 9 Jahre vergangen, seit dem das obige gemeinsame mahnende Wort der Kirchen verkündet wurde: Ich selbst habe aber erst vor einem Monat dieses Wort gehört und gelesen.  Sie sehen,  was alles unbemerkt an uns vorbeigeht,  wenn die Medien  sich eines Themas  nicht annehmen, sagte El kourai und schloss seine Rede mit der Anmerkung ab:  „Der positive Verlauf der Ereignisse und des Integrationsprozesses liegt auch in der Verantwortung und Begleitung durch die Medien als Vermittlungsinstanzen.““

Die Medien lassen die Minderheiten außen vor 

Doch gegenüber der erfreulichen Erfahrung mit 208 Wissenschaftler und 41 Verbänden und Vereinen, die sich der Petition an den Bundestag angeschlossen haben, sowie den Mitgliedern des Petitionsausschusses steht  die andere bittere  Erfahrung mit den Medien, die dieser verdienstvollen Initiative keine Beachtung geschenkt haben: Von mehr  als 40 deutschen Print- und audiovisuellen Medien, die per mehrmalige Schreiben per E-Mail, Briefe und Telefonanrufe um Teilnahme an der obigen Pressekonferenz gebeten worden sind, hat sich keine daran interessiert. Es waren  lediglich eine Journalistin aus Deutschem Depeschen Dienst (DDP), eine Journalistin der türkischen Zeitung Hürriyet und 2 Journalisten der Arabischen Zeitungen anwesend. Dies ist nicht nur  Marginalisierung, sondern auch  systematische  Ignorierung  der Minderheiten durch die Medien.
Und da kommt die Frage auf: Warum nehmen die  öffentlich-rechtlichen   Rundfunkanstalten ihre Aufgabe nicht wahr? 

Der Drang der Medien zu sensationalistischen Berichten setzen Gesetze außer Kraft!

In Gesetzen für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten  lautet folgendes:
Jedes Vollprogramm muss in Erfüllung des Programmauftrags die Vielfalt der Meinungen in möglichster Breite und Vollständigkeit zum Ausdruck bringen. Die bedeutsamen politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Kräfte und Gruppen müssen in jedem Vollprogramm angemessen zu Wort kommen. Auffassungen von Minderheiten sind zu berücksichtigen.“
Doch der Drang  der Medien zu sensationalistischen Berichten lässt keinen Platz für die
Informationsqualität,  den pragmatischen Dialog sowie für moralische Pflichterfüllung:
Die  Organisationen wie der BDAV  mahnen zur Einsicht, die Grundsteine  für die Integration  zu legen – Medien hören und schauen aber hin, wo die Steine fliegen!

Journalisten werden zu Kaufmännern umfunktioniert

Nicht das Anstrengen, das Übel an der Wurzel zu packen, ist ihnen  willkommen, sondern das gefundene Fressen wie etwa die Proteste der Schüler an den Schulen, mit denen man Geld verdienen kann. So steht d
irekt unter einer Angst schürenden Sensationalistischen  Überschrift   Hass-Randale an Berlins schlimmster Schule“ der Berliner Zeitung   ein Werbungsbanner. Auch direkt am Anschluss eines Artikels  von RP Online, betitelt mit  Politiker wollen bei Gewalt an Schulen hart durchgreifen“, steht ebenfalls eine Anzeige für eine Reisegesellschaft. So funktioniert die euphorische  Gewinnsucht nach Steigerung der Zeitungsauflagen durch überdramatisierten negativen Schlagzeilen. Bei jedem zweiten Anruf bei  einer Zeitung mit der Bitte um Verbindung mit der Nachrichtenredaktion hört man die Frage: „von welcher Firma sind Sie?“ Daraus ist zu lesen, dass die Medien  am meisten nur Werbungsangebote erwachten, wenn der Anrufer sich nicht mit dem Namen einer Partei oder bekanten Firma meldet. Andere Presseeinladungen  der Organisation, bei denen durch Werbungsaufträge nichts zu verdienen ist, scheint für sie eine Belästigung zu sein. So werden die Journalisten durch ihren Arbeitsgeber zu Kaufmännern umfunktioniert, und so werden die Keimzellen  für Desintegration gelegt,  die  bis zum menschlichen Gen hinabreichen. So werden Divergenzen statt Konvergenzen der gesellschaftlichen Gruppen und Individuen geschaffen.  

Für die Redaktionen der Medien sind immer die anderen Schuld

Erst wenn die strukturelle Ausgrenzung wieder einmal mit ihren negativen Folgen für Staat und Gesellschaft auffällt, beispielweise durch Arbeitslosigkeit, Sozialgefälle und / oder den  Fall  Rütli-Schule in Berlin-Neukölln, dann wird nach Lösungen  gesucht. Diese Suche produziert aber oftmals nur leere Worthülsen, weil es am meisten zu spät ist.  Deshalb hat der Bundesverband Deutsch-Arabische Vereine die Petition an den Bundestag  zu Erweiterung des Kommunalen Wahlrechts auch für nicht EU- Bürger initiiert.  Interessanterweise sind es genau jene Redaktionen, die den journalistischen Raum vordergründig mit sensationalistischen Hass schürenden Bildern und Stereotypen füllen und das Übel an der Wurzel nicht mitpacken, sagen: Seht, was Ihr alles durch Euer falsches  Handeln produziert habt!  

Marokkanisch Deutsche Assoziation f. Berat. und Gemeinwesen e.V.
- Mitglied des Bundesverbandes Deutsch-Arabischer  Vereine (  www.araby.de

Düsseldorf, den 7. April 2006

Petition

   
   
 

 

   
   
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