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namhafte WissenschaftlerInnen (Stand am 16.11.02), mehere
Vereine / Organisationen und andere Multiplikatoren fordern
nachhaltige Integrationspolitik durch spezifische,
nichtdeutschsprachliche Hörfunk- und Fernsehprogramme durch
die ARD für Minderheiten in Deutschland. Integrationspolitik durch
Hörfunk- und Fernsehsendungen in Muttersprachen zu gestalten, sei
eine Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernseh-
systems, deren sich der SWR (oder andere Sendeanstalt) nicht
entziehen dürfen, so Dr. Klaus Schönhoven, Professor für
Politische Wissenschaften und Zeitgeschichte an der Universität
Mannheim.
Insbesondere WissenschaftlerInnen, die sich mit Migrationsforschung,
Verläufen der Migrationsprozesse, Interkultureller Pädagogik und
Kommunikationswissenschaften beschäftigen, kritisieren in aller Schärfe
den Ausstieg der Bayrischen und Südwest- Rundfunke aus den
Programmen der ARD für MigrantenInnen: Dr. Michael Fritsche,
Sprachwissenschaftler im Institut für Bildung und Kommunikation in
Migrantenprozessen an der Universität Oldenburg - zum Beispiel -,
bezeichnet diesen Ausstieg als „ politisch verhängnisvoll und
eindeutig gegen jegliche integrative Politik“.
Dieses
folgende, in den Weg gebrachte Manifest verleiht der notwendigen
Integrationspolitik durch die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten Nachdruck:
Manifest zur Rundfunk-Integrationsprogrammen für Minderheiten
(RIMI - Manifest)
- Manifest zur Erhaltung der nichtdeutschsprachlichen
Programme in öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalten und die
Einrichtung zusätzlicher Fernsehprogramme durch die ARD für die
Minderheiten in BRD
Wir, die UnterzeichnerInnen, halten es für wichtig, dass die
Förderung der kulturellen Vielfalt in Deutschland (auch außerhalb)
und des Integrationsprozesses der hier lebenden, noch in anderen
Nichtdeutsch-Sprachchen verwurzelten Menschen durch Hörfunk- und
Fernsehsendungen in deren Muttersprachen aufrecht erhalten bzw.
gestaltet wird, da dies uns alle angeht und für die Zukunft unseres
Gemeinwesens in und über die Grenzen Deutschlands hinaus
entscheidend sein wird.
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein hochentwickeltes Land und
eine der führenden Industrienationen im Export von Verbrauchsgütern
und technischem Fachwissen, aber auch von Sozial- und
Geisteswissenschaften. Allen Teilen der Bevölkerung in Deutschland
(selbstverständlich auch außerhalb wenn möglich )
zu einem Stück Lebensfreude und Partizipation am
Gesellschaftsgeschehen zu verhelfen ist ein Bestandteil des Geistes
unserer Zivilisation.
Die Globalisierung vollzieht sich nicht nur im Bereich der
Wirtschaft. Diese bringt mit sich auch kulturelle Vielfalt und
politische Herausforderung. Daher sind die Bevölkerung Deutschlands
im allgemeinen und die Träger von sozialer und intermediärer
Politik insbesondere aufgefordert, sich der Angelegenheit von
Erhaltung, Erweiterung und Fortentwicklung der oben genannten
Programme auch unter Aufbringung von Solidarität - wenn der
Gleichheitsgrundsatz im Grundversorgungsauftrag nicht greift -
anzunehmen.
Der vom Bundesverfassungsgericht den öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten zugewiesene Auftrag zu umfassender Informations-
und Kulturberichtserstattung sollte auch für die Minderheiten
(Einwanderer/ Zuwanderer und Deutsche mit sprachlich-familiärer
Bindung), die Rundfunkgebühren zahlen, gelten. Darüber hinaus ist
es nicht im Sinne unseres Gemeinwesens, dass wir zusehen, wie die ständige
Verfügbarkeit Ausländischer Fernsehprogramme durch Satellit die
hier in Rede stehenden Minderheiten mit Programmen versorgt, die
ihnen die Realitäten des Alltags in Deutschland in zunehmendem Maße
entfremden.
Die aktuelle Situation macht es in ganz besonderer Weise deutlich,
dass die bisherigen diesbezüglichen Bemühungen keinesfalls
ausreichend sind und auf allen Ebenen neue Wege zur
gesellschaftlichen Integration der Minderheiten gesucht werden müssen.
Dazu gehört eine Funktion zur Stabilisierung der Identität im
Schnittpunkt von Lebenspraxis der spezifischen Gruppen
(Minderheiten) und Dynamik der mehrgesellschaftlichen Lebensnormen.
Ausländerbeiräte und Selbstorganisationen, die eine Rolle bei
solcher Funktion haben, nämlich die Interessen der Minderheiten
wahrzunehmen und die Integration sowie kulturelle Vielfalt zu fördern,
können ihre Arbeit nicht ausreichend transparent für die
betreffenden Menschen machen, wenn dazu die geeigneten Wege
fehlen, das sind unter anderem Hörfunk- und Fernsehprogramme.
Darüber hinaus ist es nicht zuviel verlangt, wenn für die
hier in Rede stehenden Minderheiten, die eine sprachliche Einheit
bilden und deren Zahl jeweils etwa mehr als 200.000 Menschen
ausmacht, zusätzlich zu bestehenden Hörfunkprogrammen eine halbstündige
Fernsehsendung in der Woche eingerichtet wird.
Deswegen:
1. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Bayerischer
und Südwest- Rundfunke, werden aufgefordert, die bestehenden
nichtdeutsch- sprachlichen Hörfunkprogramme fortzuführen, sie
weiter zu entwickeln und durch Fernsehprogramme in Zusammenarbeit
mit anderen ARD-Sendeanstalten zu ergänzen.
2. Die Intendantenkonferenz der ARD wird gebeten, der
Erhaltung der bestehenden nicht-deutschsprachlichen Programme
und zusätzlicher Einrichtung von Fernsehprogrammen im Rahmen der
Grundversorgungsauftrag des öffentlich- rechtlichen Rundfunks
umgehend Rechung zu tragen.
3. Die Intendantenkonferenz der ARD wird gebeten,
umgehend sich der Prüfung der Einrichtung eines Gemeinschaftspools
zur Gewährleistung der nichtdeutsch- sprachlichen Programme
anzunehmen.
133 Wissenschaftler unterstützen Erhalt muttersprachlicher
Hörfunkprogramme, nachfolgend die Liste der WissenschaftlerInnen:
UnterzeichnerInnen
Andere Personen und Organisationen:
* Hans O. Hemmer, Referatsleiter Medienpolitik beim DGB
Bundesvorstand;
* Dr. Jürgen Micksch - Vorsitzender des Interkulturellen Rates,
Darmstadt;
* Liliana Andrzejewski, Geschäftsführerin des IGNIS e.V. des Europäischen
Kulturzentrums Köln;
* AStA Düsseldorf;
* DIDF e.V. - Föderation der Demokratischen Arbeiterverein aus der
Türkei;
* MDVM e.V. - Dachverband der Marokkanischen Vereine in BRD e.V.;
* EJMD e.V. - Europäische Vereinigung der Juristen für Demokratie
und Menschenrechte e.V.;
* Marokkanisch-Deutsche ABG e.V. - Marokkanisch-Deutsche Assoziation
für Beratung und Gemeinwesen e.V.;
* Fachgruppe Rundfunk, Film, AV-Medien in der Vereinigten
Dienstleitung (Ver.di);
* ARIC -NRW e.V.- Antidiskriminierungsprojekt;
* Ökumenisches Friedensnetz Düsseldorf;
* Bürger Peter;
* Menschen für den Frieden/ Erika Bosch;
* Nihat Öztürk, Gewerkschaftssekrertär, IG-Mettal- Düsseldorf;
* Föderation der Aleviten Gemeinde in Deutschland e.V.;
* Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.;
* Eckhardt Barthel, Bundestagsabgeordneter und kulturpolitischer
Sprecher der SPD Fraktion;
* Cornelia Behm, Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/ Die Grünen;
* Grietje Bettin, Bundestagsabgeordnete und medienpolitische
Sprecherin der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen;
* Dr. Lale Akgün, Bundestagsabgeordnete der SPD;
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Quelle: Marokkanisch-Deutsche Assoziation für
Beratung und Gemeinwesen e.V.
Düsseldorf , den 16.11.02
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