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Völkerverständigung statt Rassismus In dem
"Heidelberger Manifest" heißt es unter anderem: "Mit großer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des
deutschen Volkes durch Zuzug vieler Millionen Ausländer und ihrer
Familien, die Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur, unseres
Volkstums (...) Die Integration großer Massen nichtdeutscher Ausländer
ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht möglich und führt
zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller
Gesellschaften." Gleichzeitig
wurde mit dem Manifest ein Aufruf zur Gründung eines
"Schutzbundes für das deutsche Volk'' (SDV) veröffentlicht.
Nach vielfältiger kritischer Reaktion der Öffentlichkeit schwächten
die Professoren mit der Erklärung vom 31. Januar 1982 die erste
Fassung ab, in dem es heißt: "Die Achtung vor anderen Völkern gebietet ihre
Erhaltung, nicht aber ihre Einschmelzung (... ) Wer aus diesem Begriff
(Volk) folgert, dass es auch nicht erhaltenswerte Völker gäbe,
interpretiert gegen die Regeln wissenschaftlicher Hermeneutik und mißdeutet
gröblich unser Anliegen" " (...) Vom Heidelberger Manifest existieren inzwischen zwei Fassungen, über deren Unterschied sich die Unterzeichner mit dankenswerter Offenheit geäußert haben: " Durch Indeskretionen, für die die Unterzeichner nicht verantwortlich zu machen sind, geriet das Manifest an die Öffentlichkeit in einer Vorläufigen Form, die nur zur Gewinnung weitere Unterzeichner bestimmt war" (Presseerklärung 31.1.1982). Ein Vergleich beider Fassungen zeigt, dass das , was man unter sich " Unterwanderung" nennt, der Öffentlichkeit als "Schicksalsaufgabe" verkauft werden soll - so wie "Volkstum" als "Religion", "Bund" als "Arbeitsgemeinschaft", "genetisch" als "generativ", "Organismus" als "Ganzheit" höherer Art." Liest man die als Ergänzung zum Heidelberger Manifest publizierten "Grundzüge und Maßnahmen einer Ausländerpolitik", formuliert in einer widerwärtigen Mischung aus dem Wörterbuch des Unmenschlichen und Bürokratenjargon ( z.B. "gesonderte Aufstellung der kosten für Ausländer"; keine Familienzusammenführung von Ausländern nach Deutschland"; "Bildung von bilateralen Reintegrations-Kommissionen zur Gewährleistung einer optimalen Reintegration"; "Rückkehrhilfen", z.B. Kapitalisierung erworbener Renten- und Arbeitslosenansprüche von Ausländern bei Rückkehr"; Vorgriffsrecht auf Arbeitsplätze für Deutsche"; "Einführung eines Straftatbestandes Asylbetrug" usw.), so kann das Urteil über die Initiative nicht zweifelhaft sein: Es handelt sich ohne jeden Wenn und Aber um den Appell, die nicht zu leugnenden Probleme, die aufgrund eines fehlenden Konzepts zur Ausländerpolitik und mangelnder Finanzierung in der jetzigen Wirtschaftskrise in bestimmten Bereichen entstehen (z.B. Grundschulklassen mit Ausländermehrheit ohne genügende Sprachkenntnisse), durch Übernahme eines Südafrika-Modells zu "lösen". Dabei ist die zeitliche Koinzidenz und wohl auch Koordination mit dem NPD-gesteuerten Volksbegehren für Schul-Apartleid offensichtlich. Die unterzeichner berufen sich auf ihren Status als "Professoren", sowie auf ihr "biblich-christlichs Menschenbild" (Presseerklärung 31.1.1982).Sie sehen es als selbstverständlich an, daß andere Länder, die 1939-1945 von deutschen Truppen verheert wurden, dennoch deutschen Touristen, Technikern, Wissenschaftlern und last not least deutschem Kapital ihre Länder wieder geöffnet haben, wollen aber die Ausländer, die im Zuge der Bildung größerer integrierter Kapital- und Arbeitsmärkte zur Arbeit zu uns kamen, "reintegrieren", d.h. abschieben. Ja sie besitzen die Stirn, im gleichen Atemzug zur erheblichen weiteren Steigerung deutscher Auslandinvestitionen aufzurufen, um in die Wirtschaft Unterstützung zu gewinnen. Uns als Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum hat die Lektüre des Heidelberger Manifestes den Atem verschlagen.. (...) Im übrigen teilen wir hiermit die Gründung eines "Arbeitskreises zur Lösung der Integrationsprobleme und gegen den Mißbrauch der Wissenschaft für rassistische Zwecke" mit, in dem Fachwissenschaftler der Ruhr-Universität die folgenden Fragen interdisziplinär untersuchen und ihre Ergebnisse, einschließlich konkreter Vorschläger zur Lösung der tatsächlich existierenden Probleme,der Öffentlichkeit zugänglich machen werden: - Probleme und Modelle der Integrationspolitik gegenüber sprachlichen und kulturellen Minderheiten, insbesondere auch: -Kultursoziologische und Kulturpolitische Aspekte ( besonderes auch Probleme islamischer Kulturen); - Vorgeschichte und Hintergründe des Heidelberger Manifestes (als Lehrstück zur Zeitgeschichte); - Probleme der nationalen Identität und internationaler Symbiose; - Diskurs- und Medienanalyse zur Ausländerproblematik; Darüber hinaus erklären wir: Unser Land hat keinerlei Nachholbedarf für Xenonphobie, Nationalismus und Rassismus, sondern umgekehrt für Gastfreundlichkeit, ungeschmälerte internationale Offenheit und Kulturtoleranz. Mehr noch als andere Länder haben wir die Verpflichtung, Probleme des Zusammenlebens auf der Basis von Freiwilligkeit, Toleranz, und Konsens, nicht aber durch einseitige administrative Maßnahmen zu lösen. Uns sind Ausländer grundsätzlich willkommen, wir fühlen uns nicht durch sie unterwandert. Gerade das Ruhrgebiet hat in der Vergangenheit ein hohes maß an Integrationsfähigkeit bewiesen. Die Ruhr-Universität Bochum hat sich seit Ihrer Gründung bewußt und problematisch in diese ausländerfreundliche Tradition gestellt.Wir wenden uns daher gegen das NPD-gesteuerte Volksbegehren für Schul-Apartheid und gegen den Maßnahmenkatalog des "Heidelberger Manifests". Erstunterzeichner : Prof. Dr. Ahrends (Anglistik), Prof. Dr. Bahr (Friedensforschung), Prof. Dr. Baumgartner ( Skandinavistik), Dr. Balke ( Germanistik), Frof. Dr. Brakelmann ( Ev. Theologie), Prof. Dr. Ebach (Ev. Theologie), Dr. Esser ( Bevölkerungssozilogie), Prof. Dr. Ewald ( Mathematik), Prof. Dr. Figge ( Romanistik), Prof. Dr. Gumbrecht ( Romanistik), Prof. Dr. Jachnow (Slavistik), Prof. Dr. Korte ( Bevölkerungssoziologie), Prof. Dr. Kussmann ( Germanistik), Prof. Dr. Link ( Germanistik), Dr. Link-Heer ( Romanistik), Prof. Dr. Müller-Michaels (Germanistik), Prof. Dr. Panzina ( Geschichte), Prof. Dr. Rehbein ( Sprachlehrforschung / Soziolinguistik), Prof. Dr. von Renesse ( Entwicklungsforschung), Prof. Dr. Rüsen ( Geschichte), Prof. Dr. Schrimpf ( Germanistik), Prof. Dr. Turczynski ( Geschichte Ost- und Südosteuropas), Prof.Dr. Weber-Schäfer ( Ostasienwissenschaften), Dr. Wülfing ( Germanistik), Assistenschaft der Ruhr-Universität, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( Hochschul und Forschung) und Arbeitskreis "Ausländer Willkommen" bei der Ev. Studentengemeinde Bochum." Bochum, den 16. Februar 1982
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